Samstags will ich mir das Walken angewöhnen. Ohne dass ich jetzt schon sagen könnte: Samstag ist Walking-Tag. Trotz des Dauerregens heute vormittag habe ich mich daher auf die Socken Stöcke gemacht und bin zur angegebenen Zeit zum Treffpunkt gegangen.
Walkingtreffleiterin Siegi kam mit Regenschirm, weil sie sich schon sowas gedacht hat. Die Walkerinnen haben nämlich die Verabredung: bei ununterbrochenem Regen wird nicht gewalkt. Diese Verabredung (sowie einige andere Abreden, davon später) kannte ich natürlich noch nicht. Siegi kam also alleine. Hinterher habe ich gehört, dass noch eine Walkerin ein, zwei Minuten später da war. Die kannte sich aber aus und ist daher ihre Strecke alleine abgelaufen.
Siegi und ich hingegen haben eine wunderbare (etwas kürzere) Trainingsstrecke gemacht und Siegi hat mir Privatunterricht gegeben. Vor allem das den-Kopf-hochhalten war mein Problem, aber auch, die Stockhand gaaaaanz weit nach hinten schwingen zu lassen. Kein Wunder, ich bin ja schliesslich seit Jahresbeginn sportlich kürzergetreten und war die letzten vier Monate vollkommen abstinent. Da verlieren die Schultergelenke an Beweglichkeit. Und Jogger pendeln ja mit den Armen sowieso eher im vorderen Luftraum. Also war der Schwenk nach hinten nicht ganz so einfach. Zum Abschluss hat Siegi mir noch ein paar tolle Dehn- und Yogabewegungen mit Stöcken gezeigt, die macht sie am Ende der Tour mit den Walkerinnen häufig. Da waren meine Füsse dann pudelnass. Die restliche Christine war aufgrund perfekter Laufausrüstung inklusive Mütze aber noch im trockenen Bereich.
Siegi hat mir auch empfohlen, die Stöcke 5 cm kürzen zu lassen. Das wird Michi machen müssen – sie liegen schon mit abmontierten Griffen unübersehbar auf dem Wohnzimmertisch. Mit Stöcken in passender Länge wird’s dann hoffentlich auch leichter.
Unterhaltungsstoff ging uns auch nicht aus. Siegi hat mir knietechnisch schon einiges voraus und konnte mit ihren Erfahrungen aufwarten. Ich neige daher zu der Entscheidung, mit der Arthroskopie möglichst lange zu warten und statt dessen durch Bewegung, Bewegung, Bewegung (aber eher kein Joggen…) das Knie beweglich zu halten. Das macht mich ein bisschen traurig, denn das Joggen fehlt mir schon jetzt sehr. Und da finde ich bei Hannes auch noch so schöne Bilder aus der adidas Kampagne:

In bezug auf den letzten Samstag, an dem mein Nordic-Walking-Debut als do it yourself startete, hat Siegi mir von den Diskussionen in der Gruppe erzählt. Sie hat auch tapfer zu ihren Damen gehalten und mir die Gründe gesagt, aufgrund derer doch alles glatt gelaufen ist:
- Es war Feiertag. An Feiertagen ist kein Walkingtreff
- Die Damen waren privat da. Und waren miteinander verabredet.
Hm, naaaa ja.
Also das Feiertag war, das war mir ja auch klar. Am Lauftreff-Schild steht nicht: „Feiertags nie“. Drum wäre ich gar nicht drauf gekommen, dass man als Neuer am Feiertag besser nicht hingeht. Und privat war ich ja auch da. Verabredet fühlte ich mich irgendwie auch, weil ja Samstags 10.30 h Walkingtreff ist. Es war definitiv Samstag. Da wir miteinander geredet haben, während wir warteten und auch während wir den Weinberg Steg überquerten fühlte ich mich auch durchaus als Teil einer Gruppe.
Der Satz: „Heute ist kein Walkingtreff, weil Feiertag ist.“ hätte mir vielleicht geholfen zu erkennen, dass nicht beabsichtigt ist, zusammen zu laufen.
Positiv ist, dass durch die Diskussion – die gibt es ja in jedem Lauftreff von Zeit zu Zeit – sicher eine gewisse Sensibilisierung entstanden ist. Siegi macht sich so viel Mühe mit dem Walkingtreff, da wäre es schade, wenn die einzelnen Walker sie in Abwesenheit nicht unterstützten. Und der Grossteil der sportlichen Damen wird sicher selbstbewusst und kritikfähig genug sein, mit meinen Äusserungen konstruktiv umzugehen. Man kann ja nicht immer nur das Positive hören wollen.